Schiefer, Kork, Leder und Metallringe als Materialauswahl
AUREIR · Kapitel II

Intention

"Each material has its specific characteristics, which we must understand if we want to use it."

— Ludwig Mies van der Rohe

II · i

Übereinanderliegende Schieferfurniere mit unterschiedlichen Maserungen
Lapidermis · Naturstein

lapis · derma — Stein · Haut

Als Lapidermis bildet Schiefer bei allen AUREIR-Objekten die auffälligste Komponente. Es handelt sich um eine ca. 1,5 mm starke Schicht echten Natursteins. Als Oberfläche aller exponierten Beanspruchungszonen und Kontaktflächen der Objekte schützt die Lapidermis durch ihre native Robustheit vor Krafteinwirkung und Verschleiß.

Oberflächenstruktur und Maserung sind bei jeder Lapidermis einzigartig.

Schiefer ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Gesteine, die sich durch eine feine Struktur paralleler Schichten auszeichnen.

Geologisch gehört Schiefer zu den metamorphen Gesteinen – solchen also, die durch gewaltigen Druck oder hohe Temperatur im Herzen der Erde entstanden sind, ohne dabei zu schmelzen. Die spaltbare Struktur ist bei den meisten Schieferarten ein Produkt tektonischer Verwerfungen, die auf vormals massive Felsschichten eingewirkt haben.

Oberflächenstruktur und Maserung sind bei jeder Lapidermis einzigartig. Entsprechend ist jedes AUREIR-Objekt ein Unikat; die für das jeweilige Furnier verwendeten Schiefer-Zuschnitte werden persönlich ausgewählt, um jedem Exemplar individuellen Charakter zu verleihen.

II · ii

Nahaufnahme der Rinde einer Korkeiche
Portugiesische Korkeiche

endo · cortex — Innen · Rinde

Innenflächen sind mit portugiesischem Kork ausgekleidet.

Das Material ist nicht nur leicht, wasserabweisend und elastisch, sondern wirkt zugleich als natürlicher Schallschutz. Diese Eigenschaften qualifizieren den Naturwerkstoff als „Innenfutter“ der AUREIR-Taschen, die speziell für den Besuch kultureller Veranstaltungen wie Konzerte oder Opernbesuche konzipiert wurden, bei denen Geräuschreduktion nicht Ausdruck allgemeiner Rücksichtnahme, sondern vielmehr alternativlos ist.

Kork kann geerntet werden, ohne den Baum zu fällen.

Der verwendete Kork stammt aus der Rinde der Korkeiche (Quercus suber), die überwiegend in mediterranen Regionen Portugals wächst.

Die Rinde kann in mehrjährigen Abständen geerntet werden. Dabei bleibt der Baum erhalten und bildet im Laufe der Zeit neue Rindenschichten aus.

Während des natürlichen Wachstums der Korkrinde bindet neugebildetes organisches Material Kohlenstoff. Der geerntete Kork enthält diesen gebundenen Kohlenstoff, der während der Nutzungsdauer in den Produkten verbleibt.

Kork steht für ein Materialverständnis, das auf Dauerhaftigkeit, Wiederverwertbarkeit und verantwortungsvollem Umgang mit natürlichen Ressourcen beruht und in seiner Ganzheitlichkeit der AUREIR-Philosophie entspricht.

II · iii

Detail des Holz-Polymer-Korpus der Pyroklast Abendtasche
Korpus · Holzverbund

corpus — Körper · Träger

Viele Werkstoffalternativen zur Herstellung von Taschen entstehen heute aus erdölbasierten Kunststoffen oder aus recyceltem Plastik. Recycling verändert das Material nicht grundlegend, es verschiebt nur den Zeitpunkt des Problems: Der Kunststoff zirkuliert, bis er verbrennt oder auf einer Deponie liegt.

AUREIR wählt einen anderen Weg. Der Korpus entsteht aus einem biobasierten Polymer, gewonnen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maisstärke und verstärkt durch Holzfasern. Dieser Ansatz reduziert den Einsatz fossiler Rohstoffe und verbessert die Materialbilanz.

Geringes Gewicht bei hoher Formstabilität.

PLA ist ein biobasiertes Polymer und unter industriellen Kompostierungsbedingungen biologisch abbaubar.

Die Kombination aus Polymermatrix und Holzfasern ermöglicht ein geringes Gewicht bei hoher struktureller Festigkeit. Der Korpus bleibt formstabil und belastbar, auch bei geringer Materialstärke, so dass AUREIR-Objekte angenehm tragbar sind.

Die Holzfasern prägen Oberfläche und Materialbild sichtbar. Die Anmutung ist matt, organisch und klar von petrochemischen Kunststoffen unterscheidbar. Jedes Objekt weist eine eigene Materialstruktur auf.

Unabhängig von der Perspektive der Abbaubarkeit sind alle Objekte auf eine lange Nutzungsdauer ausgelegt. Die Materialwahl folgt dem Grundsatz, Produkte so langlebig zu gestalten, dass Formstabilität und Funktion über den gesamten Lebenszyklus im Vordergrund stehen.